Spielbericht: SV Mitterberg – SV Rohrmoos 1:1

Viel Hektik, ärgerliche Aufreger und „Bombenstimmung“ gab es beim Dorfliga-Topspiel im zumeist regnerischen Mitterberg zu erleben.

Trotz unbeständiger Wetterlage sind die Dorfliga-Fans zahlreich im Mitterberger Waldstadion erschienen, darunter auch mindestens 20 SVR-Anhänger. Es gibt bestimmte Abläufe, auf die wir uns seit einigen Jahren bei den Auswärtsspielen in Mitterberg verlassen können: Die Heim-Fans sind fanatischer als irgendwo sonst in der Dorfliga, die Spiele sind eher hart und zweikampforientiert, es bleibt immer bis zum Schluss spannend und es passiert immer etwas Außergewöhnliches. So ist der Dorfliga-Klassiker auf eine eigene Weise immer sehr reizvoll, auch wenn am Ende ab und zu Wut, Ärger, Schmerzen und durchnässte Klamotten verbleiben.

Wie gewohnt musste SV Rohrmoos nach diversen Absagen die Aufstellung gravierend verändern. So hat Martin Gerhardter unter anderem seinen Stürmer Christian Fischbacher wieder einmal ins Tor gestellt und Karli Thaler vom Innenverteidiger zum Angriffsspieler umfunktioniert. Dafür kehrte Matthias Stocker nach zwei Spielen Pause auf seinen Abwehr-Stammplatz zurück. Dazu gab es eine Trikot-Premiere. Wir bedanken uns an dieser Stelle sehr herzlich bei unserem Trikotsponsor PIEKVIER SKI LODGE aus Schladming und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.

Die ersten zehn Minuten waren noch eher eine Eingewöhnungsphase, in der die Mitterberger mehr Ballbesitz hatten, ohne sich klare Torchancen zu erarbeiten. Das gelang dafür danach den Rohrmoosern gleich mehrfach. Es begann mit einem verzogenen Warnschuss von Tobias Huemer, bevor der Ball in der 13. Spielminute nach einem Pass von Lukas Knauss durch Karl Thaler erstmals im Tor landete, aber der Schiedsrichter erkannte eine Abseitsstellung. Ca. sieben Minuten später setzte sich Thomas Stöckl auf der rechten Seite durch und flankte gezielt in den Strafraum, wo Karl Thaler an der zweiten Stange freistehend mit einem Kopfball auf das lange Eck sehr knapp verfehlte. Kurz darauf ging es weiter mit einem Tempovorstoß von Andreas Zechmann, den er mit einem Schuss aus gut 20 Metern abschloss, der klar zu hoch angesetzt war. Dann versuchte es Matthias Stocker aus 18 Metern und traf mit ein paar Metern Abweichung nur den Zaun.

Besser machte es Karl Thaler, der in der 26. Minute den Tormann mit einem Distanz-Bogenschuss überwand und dabei die Torlatte am Kreuzeck traf. Von dort aus sprang der Ball zum aufgerückten Tobias Huemer, der kaum bedrängt und souverän zur Führung abstaubte. Vor allem die heimischen Fans hinter dem Tor protestierten laut wegen eines vermeintlichen Abseitstors. Ob Tobias tatsächlich bereits im Moment der Schussabgabe von Karli näher zum Tor stand als der letzte Verteidiger, ist aufgrund verschiedener Wahrnehmungen nicht leicht feststellbar. Wir haben halt keinen Videobeweis und die Positionen von Schieds- und Linienrichter waren vermutlich auch nicht ganz ideal, um es eindeutig zu sehen.

Wenig später setzten die Mitterberger einen Schussversuch neben das Tor. Ansonsten ist die gute Abwehrleistung der Rohrmooser hervorzuheben, wo Andreas und Matthias Stocker im Zentrum die Lage gut im Griff hatten und Heinrich Lettner sowie Thomas Stöckl auf den Außenpositionen nahezu jeden Vorstoß der Gastgeber abfingen, so dass Tormann Fischbacher meistens gemütlich im Regen stehen durfte.

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit folgte ein bitterer Rückschlag für das SVR-Team, als sich Sebastian Trinker bei einem Zweikampf an der Außenlinie am Knie verletzte und vorzeitig ausgetauscht werden musste. Wir hoffen sehr, dass die medizinische Untersuchung ein erfreuliches Ergebnis ergibt, so dass unser Siegtorschütze von Selzthal möglichst bald wieder einsatzfähig ist.

Weiterhin gab es wenig passable Spielzüge zu sehen. Das Spiel blieb sehr kampfbetont. Bei den Zweikämpfen waren die Mitterberger oft schneller am Ball, was dazu führte, dass der wenig tolerante Spielleiter einige Rohrmooser Spieler mit seiner Gelben Karte verwarnte. Es war der Heimmannschaft anzumerken, dass sie unbedingt noch was reißen wollte. Mit einem Freistoß und einer Ecke kamen sie in der 57. Minute zumindest in Tornähe, aber aus dem Spiel heraus waren sie eher planlos. Auf der anderen Seite sorgte Karl Thaler in Minute 63 nach einer flachen Ecke für kurze Aufregung, schoss dabei aber einen Verteidiger an.

In der 76. Minute stoppte Christian Fischbacher zuverlässig einen flachen Freistoß. Es hätte freundlich weitergehen können, aber stattdessen war der weitere Verlauf sehr aufwühlend und emotional. Hauptauslöser war der unnötige und wohl auch vorsätzliche Sturz eines Mitterberger Angreifers im Strafraum, nachdem Matthias Stocker mit einer völlig korrekten Abwehraktion den Ball klärte. Wirklich einleuchtend war es wohl weder für die Beteiligten noch für die Beobachter, warum der Schiedsrichter daraufhin entschied, einen Foulelfmeter anzuzeigen. Wir brauchen unsere Schiedsrichter und wir sind glücklich, dass es Leute gibt, die sich für einen kleinen Lohn regelmäßig zur Verfügung stellen. Trotzdem muss die Feststellung erlaubt sein, dass in diesem Fall eine sehr eindeutige Fehlentscheidung gefällt wurde. Das haben auch die Heimischen zugegeben, aber leider nicht auf dem Spielfeld, weil es ehrliche Fußballer Trottel sind und es andere auch nicht gemacht hätten. So war auch der Zorn unseres Trainers Martin Gerhardter verständlich und weil die geglückte Ausführung des Elfers vor der Freigabe des Balls erfolgte, bekam Mitterberg einen zweiten Versuch, um die geschenkte Torchance zu nutzen. Wieder entschied sich Tormann Fischbacher für seine linke Ecke, während der Ball halbrechts einschlug – 1:1.

Die zu späten Versuche der Rohrmooser, doch noch mit der vollen Punktzahl heimzufahren, blieben erfolglos, wobei sich drei Minuten vor dem Abpfiff noch eine gute Gelegenheit ergab, als der Ball nach einer Flanke durch den Strafraum sprang, aber von mehreren Haxn mit schwarzen Stutzen verfehlt wurde. Aber auch der komplette Untergang war noch möglich, als die Mitterberger mit einem Diagonalschuss in der Schlussminute das Tor verfehlten.

Insgesamt gesehen war es ein typisches, feuchtes Drecksspiel, wie wir es gerade in Mitterberg oft erleben, aber irgendwie war es auch ein wenig geil. Wahrscheinlich muss so ein Match mit einem Unentschieden enden. Der SV Mitterberg übersteht auch sein fünftes Spiel unbesiegt und der SV Rohrmoos bleibt Tabellenführer und bewahrt die Chance, wieder Herbstmeister zu werden.

Leider haben wir auch noch eine der dümmsten Aktionen der Dorfliga-Geschichte erlebt. Dass sich auch in der Dorfmeisterschaft und besonders in Mitterberg Spieler und Zuschauer ausgelassen und zwanglos über Torerfolge freuen, ist großartig. Sogar der freche Megafon-Teufel war noch knapp erträglich. Nur gab es da auch einen vermutlich geistig verwirrten Zeitgenossen, der am benachbarten Feld nach dem Ausgleichstor einen recht lauten Kanonenschlag entzündete, der zudem zu einer Rauchentwicklung in der Ecke des Spielfeldes führte. In so einem Fall hat der Schiedsrichter die Möglichkeit und das Recht, das Spiel sofort abzubrechen, was vermutlich auch zu einer Bestrafung für den Gastgeberverein geführt hätte. Das ist auch im Amateurfußball schon mehrmals passiert. Obwohl er diese Konsequenz bereits andeutete, hat er zum Glück darauf verzichtet. Dämlicherweise folgte noch ein zweiter Kanonenschlag nach dem Schlusspfiff. Diese Vorfälle sind im offiziellen Spielbericht vermerkt und es bleibt abzuwarten, ob und wie die Liga-Organisation darauf reagiert.

Es müsste jedem Vereinsvertreter bewusst sein, dass wir uns immer noch in einer Ausnahmesituation infolge der Corona-Pandemie befinden, die aktuell eher schlechter als besser wird. Dass wir die Dorfmeisterschaft überhaupt mit Zuschauern durchführen können, ist keineswegs selbstverständlich, und es kann ziemlich leicht und schnell passieren, dass der Spielbetrieb kurzfristig wieder eingestellt wird. Der gesamte österreichische Amateur-Fußball findet ja derzeit gewissermaßen auf Bewährung statt. Gerade in solchen Zeiten braucht keiner auch noch sinnlose und illegale Pyrotechnik-Aktionen wie in Mitterberg.  Da gibt es auch nichts zu verharmlosen. Körperverletzungen wie z.B. Hörstürze sind nie ganz auszuschließen, wenn sich Menschen in der Nähe befinden. Und wie berechenbar ist überhaupt die Gefahr, wenn der geistige Zustand des Täters nicht feststellbar ist? Erst recht unverantwortlich ist die Knallerei, wenn Kinder unter den Zuschauern sind. Wir nehmen an, dass der Verursacher beim SV Mitterberg bekannt ist, und wenn er schon ohne eine Anzeige davonkommt, hilft vielleicht eine persönliche Bestrafung.

Sportliches SVR-Fazit:

Die Einstellung und der Kampfgeist waren in der gesamten SVR-Mannschaft sehr gut. Allerdings zählt das zweikampforientierte Spiel zu den Stärken des SV Mitterberg und da ist es nicht unbedingt ratsam, sich zu viel darauf einzulassen. Dass es auch möglich ist, Druck auf die Heimmanschaft auszuüben, hat die Phase zwischen der 10. und 27. Minute deutlich gezeigt. Nach dem Führungstor ist dann aber das Angriffsspiel bis kurz vor dem Spielende ziemlich eingeschlafen. Dass die Verwaltung eines knappen Vorsprungs gerade in Mitterberg riskant ist, war vorher bekannt. Die Umstände, die zum Ausgleich führten, sind ärgerlich, aber das ist ein Teil des Sports. Das Ergebnis ist keine Katastrophe und wir können das abschließende Heimspiel mutig und optimistisch angehen.

Aufstellung:

Tormann

Christian Fischbacher

Verteidigung

Heinrich Lettner (ab 87. Bernd Stocker), Matthias Stocker, Andreas Stocker, Thomas Stöckl (ab 62. Gerhard Fischbacher)

Mittelfeld   

Tobias Huemer, Lukas Knauss, Andreas Zechmann, Michael Wiesbauer (ab 62. Alexander Hutegger)

Sturm

Karl Thaler (ab 87. Lukas Reiter), Sebastian Trinker (ab 51. Norbert Pitzer)

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